
Die Uhr bleibt beweglich.
Der Mann hält das runde Zifferblatt mit beiden Händen dicht vor das fast weiß leuchtende Fenster, während breite, waagerechte Lichtbahnen in mehreren hellen Schichten über seine Unterarme, sein Gesicht und den dunklen Innenraum bis zur Wand ziehen. Sein Blick folgt den Zeigern; ob er eine Uhrzeit abliest oder nur das Verhältnis von Licht und Zeit prüft, bleibt offen.
Rechts an der Wand hängt ein gerahmtes Bild mit einer verhüllten Figur. Ein helles Tuch liegt über Kopf und Schultern. Eine Hand fasst den Stoff, während ihr Blick aus dem Bild in den Raum führt. Der Mann wendet sich der Uhr zu, nicht dem Wandbild. Auf der Fensterbank liegen ein Blatt und ein Stift, daneben bleibt eine kleine offene Schachtel im Schatten.
Werk 001 · September 2025 · eine Station der fortlaufenden Werkfolge von Jörg Hornisch · Silent-Art
Mich beschäftigt, dass ausgerechnet die Uhr in den hellsten Teil des Bildes gehoben wird. Ihr Kreis bleibt klar, während Fensterkanten und Körperkonturen zunehmend ineinander übergehen. Das ist ein kurzer Moment. Was wird hier eigentlich geprüft – die Stellung der Zeiger oder die Dauer eines Augenblicks, der sich bereits verändert, während man ihn betrachtet?
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