
Ein Mann steht auf dem Kopf – genau zwischen zwei großen roten Vorhängen. Sein Körper bildet eine schmale, beinahe gerade Linie. Die nackten Füße liegen eng aneinander und reichen weit nach oben, während Kopf und Hände den hölzernen Bühnenboden berühren.
Das Gesicht erscheint verkehrt herum am unteren Ende der Figur. Die Augen sind geöffnet und der Blick geht nach vorn. Die Vorhänge geben nur einen schmalen grauen Raum frei; ihre weichen Falten stehen gegen die kantigen Linien der Bodendielen und die gespannte Vertikale des Körpers. Alles um den Mann herum folgt der gewohnten Richtung. Nur er hat sie umgekehrt.
Die Bühne macht die Haltung sichtbar, erklärt sie aber nicht. Der Moment könnte Teil einer Vorführung sein oder ein Innehalten zwischen zwei Bewegungen. Sicher ist nur die Ordnung des Bildes: Füße oben, Kopf unten, Blickkontakt dazwischen.
Werk 007 · August 2025 · eine Station der fortlaufenden Werkfolge von Jörg Hornisch · Silent-Art
Nach einer Weile höre ich auf, die Figur im Kopf zurückzudrehen. Vielleicht ist nicht ihre Lage das Entscheidende, sondern die Richtung, aus der wir sie betrachten.
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